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Schon immer habe ich davon geträumt, einmal den Karneval in Brasilien zu erleben. Dieser Traum rückte beim Internationalen Samba-Festival Coburg 2026 ein Stück näher. In diesem Jahr fand das Festival bereits zum 34. Mal statt.

Das Besondere an diesem Samba-Festival ist, dass es das größte seiner Art außerhalb Brasiliens ist.

Die Tickets für das dreitägige Festival (ab 35 Euro) kauften wir im Voraus. Erstens waren sie günstiger, zweitens waren sie noch erhältlich – obwohl mehr als 3.000 Sambistas (Trommler und Musiker) in die kleine deutsche Stadt gekommen waren. Noch mehr Touristen, Tänzer und Liebhaber der brasilianischen Kultur aus aller Welt – von Amerika bis Australien – besuchen Coburg an diesem Wochenende. In manchen Jahren überstieg die Gesamtzahl der Gäste während des Samba-Wochenendes die Einwohnerzahl der Stadt sogar um das Sechsfache: rund 300.000 Besucher gegenüber etwa 45.000 Einwohnern.

Seit 1992 treffen sich in den heißesten Sommertagen im ruhigen, historischen Coburg in Bayern professionelle und Amateurkünstler zu diesem außergewöhnlichen Festival.

Batucada

Die Mitglieder der Samba-Gruppen schlugen einen mitreißenden Rhythmus auf ihren Percussion-Instrumenten – mit bis zu 140 Schlägen pro Minute. Es war nahezu unmöglich, dabei still stehen zu bleiben.

Die sogenannte Batucada – auf Portugiesisch wörtlich „Trommelschlag“ – ist eine unglaublich energiegeladene Musikrichtung. Sie entsteht durch das Zusammenspiel großer Basstrommeln (Surdo), kleiner Trommeln (Caixa), hoch klingender Repiniques, Tamburine sowie Ganzás (Rasseln) und Agogôs (Doppelglocken).

Umzüge zogen durch die Straßen, auf zahlreichen Bühnen in der Innenstadt fanden Auftritte statt und natürlich auch auf dem Schlossplatz vor dem Schloss Ehrenburg. Dort spielte sich das eigentliche Festivalgeschehen ab, weshalb der Zugang – insbesondere zu den abendlichen After-Partys – nur mit Eintrittskarte möglich war.

Die feierliche Eröffnung fand unter Mitwirkung der Karnevalskönigin aus Rio de Janeiro sowie geladener Stars statt, darunter Teilnehmer der beliebten deutschen Tanzshow Let’s Dance und bekannte Musiker aus Brasilien.

Coburg Cabana

 

Die festliche Atmosphäre wurde durch bunte Plakate, Fahnen, Blumengirlanden, Feuerwerk und gelb-grün dekorierte Food-Courts unterstrichen. Selbst die Springbrunnen der Stadt erinnerten mit ihren Wasserfontänen an die gewaltigen Iguazú-Wasserfälle in Brasilien.

Zahlreiche professionelle Workshops wurden von renommierten Samba-Lehrern verschiedener Sambaschulen angeboten. Denn dieses Festival ist nicht nur Unterhaltung, sondern auch ein Wettbewerb.

Besonders beeindruckte mich der Sambastil Samba no pé, der viele Drehungen, schnelle Hüftbewegungen und eine außergewöhnliche Beinarbeit erfordert. Kein Wunder also, dass viele Tänzerinnen nicht nur hervorragend tanzen, sondern auch ausgezeichnet Schlaginstrumente spielen können.

Darüber hinaus konnten die Besucher viele weitere Aktivitäten ausprobieren – vom Flechten afrikanischer Zöpfe bis hin zur Herstellung von Samba-Kostümen.

Zahlreiche Kunsthandwerker präsentierten Arbeiten aus Holz, Stein, Federn, Ruten und vielen anderen Naturmaterialien. Besonders schön war der Markt mit Souvenirs und Kleidung aus Lateinamerika und Afrika.

Wir selbst kauften einige außergewöhnliche lateinamerikanische Souvenirs, einen exotischen Fächer sowie eine wunderschöne Ledergeldbörse. Besonders groß war das Angebot an Produkten aus Krokodilleder.

Große Begeisterung lösten außerdem die Teilnehmer des Capoeira-Wettbewerbs aus – einer brasilianischen Kampfkunst, die Tanz, Akrobatik und Musik miteinander verbindet. Unvergesslich waren auch die Fotoshootings in traditionellen Trachten und die Wahl der Schönheitsköniginnen.

Halt die Krabbe!

Natürlich wollten wir auch die brasilianische Küche kennenlernen. Wir probierten im Teig gebackene Krabben sowie Teigtaschen mit Garnelen, Avocado, Hähnchen und aromatischen Gewürzen.

Ein besonders beliebter brasilianischer Streetfood-Klassiker ist die Coxinha – ein tropfen- beziehungsweise hähnchenschenkelförmiger, paniert und frittierter Snack. Im Inneren befindet sich eine saftige Füllung aus zerkleinertem Hähnchenfleisch und mildem Käse.

Für Naschkatzen gab es Brigadeiros, Brasiliens berühmteste Süßigkeit: kleine Trüffel aus gezuckerter Kondensmilch, Kakao und Butter, die zu einer cremigen Masse gekocht und anschließend in Schokoladenstreuseln gewälzt werden.

An den heißen Sommertagen waren außerdem frisch gepresste Säfte aus exotischen Früchten sowie herber Mate-Tee, traditionell aus einer Kalebasse getrunken, eine willkommene Erfrischung.

Auch herzhafte Nationalgerichte fehlten nicht. Dazu gehörten Churrasco, das berühmte brasilianische Rindfleisch vom Holzkohlegrill, sowie Feijoada, ein kräftiger Eintopf aus schwarzen Bohnen, verschiedenen Fleischsorten – Schweinefleisch, Rindfleisch und geräucherten Würsten – und aromatischen Gewürzen. Traditionell wird dieses Gericht mit weißem Reis, geschmortem Kohl, Orangenscheiben und Farofa (geröstetem Maniokmehl) serviert.

Das Festival dauerte tatsächlich drei Tage und drei Nächte. Dafür wurden Nachtbusse und spezielle Shuttlebusse eingesetzt, die die Besucher bequem beförderten. Wir schafften allerdings nur einige Abendveranstaltungen, denn tagsüber war es sehr heiß und nachts wollten wir mit unserem Kind nicht lange unterwegs sein. Trotzdem bleibt dieses Wochenende für uns unvergesslich.

Elena Paschke

Fotos der Autorin